Zwischenmenschliche Sorgen: War früher alles besser?

Chart der Woche, 2025-KW14

3. April 2025

 

Ergebnisse

Mehr als jeder zweite Bundesbürger sorgt sich um eine zunehmende Aggressivität im Alltag. Auch fehlender Respekt, sinkende Hilfsbereitschaft sowie ein wachsender Neid innerhalb der Gesellschaft bereiten vielen Unbehagen. Zwischenmenschliche Sorgen, die nicht durch globale Krisen oder wirtschaftliche Unsicherheiten bedingt sind, rücken damit stärker in den Fokus – es geht um das direkte Miteinander im Alltag. Vergleicht man die aktuellen Ergebnisse mit früheren Erhebungen, zeigt sich ein klarer Wandel: Während sich die Furcht vor Kriminalität seit 1999 deutlich verringert hat, ist die Sorge um Aggressivität spürbar gestiegen. Auch die Themen Ausländerfeindlichkeit und soziale Kälte werden heute häufiger genannt als noch vor einem Vierteljahrhundert, wohingegen die Angst vor sozialer Ungerechtigkeit leicht rückläufig ist. Besonders auffällig sind dabei die Unterschiede zwischen den Generationen: Ältere Menschen zeigen sich deutlich besorgter über respektloses Verhalten, mangelndes Mitgefühl oder ein Nachlassen der Hilfsbereitschaft, während Jüngere diesen Aspekten mit größerer Gelassenheit begegnen.

 

Gründe

Die zunehmenden Sorgen im zwischenmenschlichen Bereich lassen sich durch eine Vielzahl gesellschaftlicher und individueller Entwicklungen erklären. Zwar ist die Zahl der registrierten Straftaten seit den 1990er Jahren rückläufig, dennoch hat das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Menschen nicht im gleichen Maße zugenommen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die mediale Berichterstattung, die oftmals auf Einzelfälle fokussiert ist und dadurch ein verzerrtes Bild vom gesellschaftlichen Alltag vermittelt. Gleichzeitig prägen soziale Netzwerke das Miteinander in neuer Weise: Die permanente Vergleichbarkeit fördert nicht nur Neid und Missgunst, sondern verstärkt auch das Gefühl sozialer Spaltung. Hinzu kommen veränderte Wertvorstellungen, die besonders ältere Menschen als Verlust an Respekt, Höflichkeit und Solidarität wahrnehmen. Ihre größere Sorge vor sinkender Hilfsbereitschaft oder respektlosem Verhalten erklärt sich auch aus einer erhöhten Verletzlichkeit – sie sind häufiger auf Unterstützung angewiesen und reagieren sensibler auf das soziale Klima. Die jüngere Generation hingegen ist mit raschen gesellschaftlichen Veränderungen aufgewachsen, erlebt neue Umgangsformen als normal und deutet diese mitunter positiver, etwa wenn informelle Sprache als Ausdruck von Offenheit verstanden wird. Unterschiede im Sorgeempfinden zwischen den Generationen sind daher weniger Ausdruck objektiv unterschiedlicher Erfahrungen als vielmehr das Resultat unterschiedlicher Perspektiven und Lebensrealitäten.

 

Prognosen

Auch in Zukunft werden zwischenmenschliche Themen das gesellschaftliche Miteinander prägen – sowohl in Form konkreter Sorgen als auch als Ausgangspunkt für positive Entwicklungen. Die zunehmende Sensibilisierung für soziale Kompetenzen, etwa durch Programme zur Gewaltprävention, Initiativen zur Förderung von Zivilcourage oder Maßnahmen zur Stärkung psychischer Gesundheit, kann langfristig zu einem respektvolleren und empathischeren Umgang beitragen. Gleichzeitig bieten digitale Technologien – trotz ihrer Risiken – neue Möglichkeiten, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. Voraussetzung dafür ist jedoch ein transparenter und verantwortungsbewusster Umgang mit Überwachungs- und Kontrollsystemen. Herausforderungen bleiben bestehen: Neid, Ausländerfeindlichkeit und mangelnde Hilfsbereitschaft lassen sich nur durch langfristige Investitionen in Bildung, Integration und Chancengleichheit bewältigen. Besonders junge Menschen können dabei zu wichtigen Impulsgebern werden – ihre Offenheit gegenüber Vielfalt, ihre stärkere Vernetzung und ihr grundsätzlich optimistischer Blick auf gesellschaftlichen Wandel bieten Potenziale für mehr Zusammenhalt. Jedoch genügt Offenheit allein nicht. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, diese Haltung mit Empathie, Bildung und struktureller Unterstützung zu verbinden. Nur dann kann mehr gesellschaftliche Gemeinschaft entstehen und nur dann werde die Sorge weniger werden.

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

Tel. 040/4151-2264
Fax 040/4151-2091
guels@zukunftsfragen.de

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