Die Zukunft des Reisens: Wohin geht die Reise wirklich?

Chart der Woche, 2025-KW13

27. März 2025

 

Ergebnis

Reisen bleibt auch in Zukunft ein zentraler Bestandteil im Leben vieler Bürger. Gleichzeitig rücken jedoch touristische Herausforderungen zunehmend ins Bewusstsein, wie z.B. Flight Shaming, der Boom privater Unterkünfte oder die Problematik des Overtourism.

Flight Shaming beschreibt die empfundene Scham, wenn Flugreisen angetreten und dabei die klimaschädlichen Auswirkungen ignoriert werden. Aktuell äußert jeder siebte dieses Schuldgefühl, wobei die Unterschiede zwischen den Altersgruppen oder Einkommensgruppen ebenso gering sind wie zwischen Inlands- und Fernreisenden.

Private Unterkünfte gewinnen in Zukunft an Bedeutung. Aktuell übernachtet etwa jeder zehnte in einer Ferienwohnung oder einem Ferienhaus – in Zukunft planen 14 Prozent diese Unterkunftsart häufiger zu nutzen.

Overtourism ist bereits gegenwärtig eine Herausforderung für zahlreiche Destination. Städte wie Venedig oder Barcelona leiden ebenso wie bestimmte Museen, historische Stätten oder empfindliche Ökosysteme unter den Folgen des Massentourismus. Nur eine Minderheit von acht Prozent sieht kostenpflichtige Vorab-Reservierung als sinnvolle Möglichkeit, um Sehenswürdigkeiten zu schützen, Umweltbelastungen zu verringern und Konflikte zwischen Touristen und Anwohnern zu reduzieren.

 

Gründe

Im Bereich des Flugverkehrs zeigt sich eine Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln. Vielen Bürgern sind die klimaschädlichen Auswirkungen des Fliegens bewusst, wollen aber trotzdem nicht auf die Flugreise verzichten (ein Hin- und Rückflug von Berlin nach Buenos Aires verursacht beispielsweise in etwa genauso viele CO₂-Emissionen wie der durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland).  Alternativen werden oft als teurer, zeitaufwändig oder schlicht nicht verfügbar angesehen. Zudem überwiegt der Wunsch nach persönlicher Freiheit und Mobilität gegenüber dem Gefühl von Verantwortung für den Klimaschutz zu tragen.

Private Unterkünfte werden vor allem wegen ihrer Authentizität geschätzt: Gäste erhalten direkten Kontakt zu Gastgebern und Einblicke in die lokale Kultur, während sie gleichzeitig von Selbstversorgungsmöglichkeiten und günstigeren Übernachtungskosten im Vergleich zu Hotelpreisen profitieren. Dabei wird die Tatsache ignoriert, dass diese Vorteile oft auf Kosten der lokalen Bevölkerung gehen. So vermieten Eigentümer Wohnungen lieber an Touristen als langfristig an Einheimische. Dieses führt zu steigenden Mietpreisen und Verdrängung der lokalen Bevölkerung. Ebenso führen Kurzzeitvermietungen oft zu Lärmbelästigungen und Konflikten mit Nachbarn, da Touristen andere Bedürfnisse und Verhaltensweisen haben als Anwohner.

Overtourism entsteht vor allem durch die ungebremste Attraktivität beliebter Reiseziele. Die Reisenden wollen die Highlights sehen und erleben und sei es auch gemeinsam mit (sehr, sehr) vielen anderen. Gleichzeitig steigt die Anzahl von Touristen – unabhängig, ob im In- oder Ausland. Eine Besuchersteuerung durch Reservierungen würden zwar viele Gäste begrüßen, jedoch ist die Bereitschaft gering hierfür zu bezahlen, Kompromisse bei den Zeiten einzugehen oder gar bestimmte Strände, Museen oder Innenstädte nicht besuchen zu können – für die Überfüllung sind schließlich stets die Anderen verantwortlich und nicht man selbst.

 

Prognose

Im Bereich des Flugverkehrs werden Innovationen und Investitionen in emissionsfreiere Technologien helfen, den ökologischen Fußabdruck des Fliegens zu reduzieren. Gefördert werden diese Entwicklungen durch strengere Regulierungen sowie höhere Kosten für Flugreisen. Einher geht hiermit jedoch auch die Gefahr einer zunehmenden Spaltung auf Reisen in diejenigen, die höhere Preise bezahlen können und jene, die auf andere Verkehrsmittel und Urlaubsorte ausweichen müssen.

Zukünftig werde immer mehr Städte klare Regeln einführen, um negative Auswirkungen durch private Vermietungen auf den Wohnungsmarkt zu minimieren – etwa durch Begrenzungen bei Vermietungstagen oder höhere Abgaben für Vermieter. Plattformen wie Airbnb selbst könnten Lösungen entwickeln, zum Beispiel eine zusätzliche Abgabe, die dann direkt in lokale Projekte investiert wird, wie in den Bau von bezahlbarem Wohnraum, um die Herausforderungen etwas zu reduzieren.

Im Kampf gegen Overtourism werden langfristig kostenpflichtige Zugangsbeschränkungen für stark frequentierte Attraktionen eingeführt werden. Eine Staffelung der Gebühren nach Tageszeit oder Saison wird helfen Stoßzeiten zu entzerren und gleichzeitig Einnahmen zu generieren, die in den Erhalt von Attraktionen fließen.

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

Tel. 040/4151-2264
Fax 040/4151-2091
guels@zukunftsfragen.de

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